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Bindungsstörung

Was ist eine Bindungsstörung?

Die Bindungsstörung kennt man gemeinhin von Kindern. Sie beschreibt ein schwieriges Beziehungsmuster zwischen Kind und Bezugsperson. Die Bindungsstörung kommt aber auch bei Erwachsenen vor. Sie gilt hier nicht als psychische Krankheit.

Eine Bindungsstörung kann aber in einer Partnerschaft zur Belastung werden. In schweren Ausprägungen kann die Beziehung daran zerbrechen.

Hinter einer Bindungsstörung verbergen sich meist unbewusste Ängste. Betroffene Personen können sich nicht mit „Haut und Haar“ einlassen. Schnell fühlen sie sich vom Partner eingeengt. Sie flüchten aus der Beziehung. Sie möchten keine oder nur sehr bedingt in der Beziehung Verantwortung übernehmen.

Einige Menschen mit Beziehungsstörung meiden Beziehungen gänzlich. Andere bevorzugen kurze partnerschaftliche Episoden. Viele hingegen gehen feste Partnerschaften ein. Nicht wenige heiraten sogar.

Das Vermeidungsverhalten besteht dennoch. Es manifestiert sich innerhalb der Beziehung.

Die Veränderungen können plötzlich kommen. Sie können sich aber auch langsam und einschleichen. Körperliche oder emotionale Nähe werden (zunehmend) vermieden. Arbeit, Freunde oder Hobbies werden zum Lebensmittelpunkt. Das „miteinander leben“ wird zum „nebeneinander wohnen“.

Das Wechselspiel der Gefühle

Das teilweise ausgeprägte Vermeidungsverhalten macht Beziehungen schwer. Der verzweifelte Partner bemüht sich um dauerhaften „Zugang“. Bilder und Erinnerungen aus der Anfangszeit können hier anspornend wirken: Damals fühlte es sich nah an. Damals war alles gut.

Hinzu kommt: Auch während der Beziehung kann es durchaus Phasen der Nähe und Harmonie geben.

In Momenten wie diesen schöpft der Partner Hoffnung. Doch die Hoffnung wird immer wieder enttäuscht: Bald folgt unausweichlich wieder eine Phase der Abschottung. Der meist unbewusste Fluchtreflex des bindungsängstlichen Partners ist zu groß: Er/sie kann sich dem nicht widersetzen.

Dieses Wechselspiel aus“heiß und kalt“ wird zur partnerschaftlichen Zerreißprobe. Zudem können bindungsänglichstliche Menschen übermäßig wachsam sein. Viele finden fadenscheinige Mängel am Partner. Sie sehen zunehmend schwarz/weiss: Sie finden Gründe, warum die Beziehung nicht klappen kann. Sie nehmen den anfangs verehrten Partner zunehmend als ungenügend wahr.

Was steckt hinter einer Beziehungsstörung?

Hinter einer Bindungsstörung verbirgt sich Bindungsangst. Das ist der betroffenen Person aber selten bewusst. Sie/er spürt vielleicht ein diffuses Gefühl der Beklemmung. Oft kommt Wut oder Gleichgültigkeit hinzu. Er/ sie ist frustriert, es nie recht machen zu können.

Hinter dem Fluchtverhalten verbergen sich tiefverwurzelte Verletzungen. Meistens liegen die Gründe in der Kindheit. Damals hat die Person keine oder nur wenig Sicherheit erfahren. Angst vor Nähe bedeutet Angst vor Verlust. Die Folgen ziehen sich bis ins Erwachsenenalter hinein. Auch heute noch fällt es schwer, Vertrauen in andere Menschen aufzubauen.

Die Partner von bindungsscheuen Menschen leiden. Für sie ist das Zusammenleben ein Hürdenlauf. Die Beziehung wird zur schweren bis unlösbaren Herausforderung.

Bindungsangst bedeutet immer auch Kontrolle. Wer vermeidet, der entscheidet. Wenn es sich zu nah anfühlt, beginnt die Flucht in die Distanz. Das auslösende Moment ist individuell unterschiedlich. Hier spielt das Stadium der Beziehung eine wichtige Rolle.

Anfangs fühlt sich die Beziehung vielleicht harmlos an. Im Laufe der Zeit entstehen Wünsche und Hoffnungen des Partners. Zusammenziehen oder Heiraten werden zu Themen. In einem Menschen mit einer Beziehungsstörung kann das eine fundamentale Angst auslösen: Der/sie flieht (zeitweise) aus der Beziehung.

Wenn die Beziehung zur Belastung wird, kann eine Psychotherapie helfen. Hier können die tieferen Ursachen gefunden werden. Gemeinsam werden alte Muster und Glaubenssätze aufgearbeitet. Anschließend werden sie mit neuen, positiven Erfahrungen angereichert. Schritt für Schritt kann so mehr partnerschaftliche Nähe zugelassen werden.

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